Ein paar Worte über Tinnitus

Auch dieses lästige Ohrgeräusch kann einen Betroffenen um den Nachtschlaf bringen. Darum wollen wir uns hier ein wenig näher damit beschäftigen.

Zunächst müssen wir uns klar machen, daß es sich nicht um eine „unheilbare Krankheit“ handelt, wie leider immer wieder auch von Fachleuten versichert wird, sondern um ein Symptom, das auf eine Vielzahl von verschiedenen körperlichen oder seelischen Ursachen hinweist. Wenn wir das in unsere Überlegungen zu dem Thema einbeziehen, werden wir sehen, daß ein großer Teil der Angst, ein Leben lang diesem schrecklichen und nervtötenden Geräusch ausgesetzt zu sein, verschwindet.

Alles was lebt, bringt Geräusche hervor – selbst Steine machen unter bestimmten Bedingungen Geräusche. Die Geräusche der Lebewesen entstehen einerseits bewusst und gewollt durch Hervorbringen von Lauten, andererseits aber auch im Inneren des Lebewesens – also auch in unserem Inneren. Wir alle haben schon einmal erlebt, daß der Magen „vor Hunger knurrt“, oder daß es im Darm plötzlich plätschert. Der Arzt hört sich mit seinem Stethoskop das Klopfen des Herzens, die Geräusche des Atmens in der Lunge, oder den Blutfluss in bestimmten Arterien an. Doch das ist nicht alles: jede Zelle, jedes Organ produziert eigene Geräusche.

Dieses alles nehmen wir nur in Ausnahmefällen wahr – meist dann, wenn etwas aus dem gewohnten „Hintergrundrauschen“ heraustritt, weil es aus dem Takt geraten ist. Würden wir alle diese Geräusche, die der Körper während seiner Lebenszeit macht, wahrnehmen, so würden wir überhaupt nicht mehr in der Lage sein, die für uns wesentlichen Geräusche aus dem ganzen „Lärm“ herauszufiltern.

Wenn sich also unsere Ohren plötzlich bemerkbar machen und ihrerseits Geräusche produzieren, ist das ein Symptom, welches uns auf etwas aufmerksam machen will. Es kann bedeuten, daß unser Alltag mit zu viel Disstress (Link zu Wikipedia) – den wir gewöhnlich als „Stress“ bezeichnen - belastet ist; daß ein Organ nicht richtig funktioniert; daß im Ohr selbst etwas beschädigt ist. Wir sehen also, die Lage ist längst nicht so ausweglos, wie sie zuerst erscheint. Wir haben Detektivarbeit zu leisten, um herauszufinden, wo die Störung liegt und können dann ruhiger weiterleben.

Bei dieser Detektivarbeit kann uns zunächst unser Hausarzt helfen, indem er körperliche Ursachen ausschließt. Der Ohrenarzt wird unsere Ohren untersuchen, ob Verletzungen oder Schäden vorliegen, sowie einen gründlichen Hörtest machen, bei dem vor allem die extrem hohen Frequenzen getestet werden. Daher ist es wichtig bei der Terminvereinbarung zu fragen, ob eine hochauflösende Hörtestanlage vorhanden ist, die extreme Frequenzen gedehnt erfassen kann.

Außerdem ist ein Besuch beim Radiologen angesagt, hier werden mit einer Magnetresonanztomographie (MRT [Link zu Wikipedia]) Schäden im Innenohr, sowie eventuelle Prozesse im Gehirn entdeckt. Ebenfalls dort, können mit der sogenannten Sonografie (Link zu Wikipedia) mit farbiger Bildgebung, Störungen in der Blutversorgung des Kopfes/ Ohres nachgewiesen werden.

Sind alle körperlichen Ursachen ausgeschlossen, steht ein Besuch beim Psychologen an, der nach seelischen Ursachen forscht: Überlastung mit Arbeit, Mobbing, Probleme in Beziehungen, Trauerverarbeitung und andere Ursachen, die die Psyche belasten und als Symptom Ohrgeräusche hörbar machen können.

Wer am Niederrhein wohnt, hat das Glück, an einer Therapie teilnehmen zu können, die seit den siebziger Jahren an der Universität Düsseldorf erprobt und weiterentwickelt wurde. Hier kann in einer mehrtägigen psychosomatischen Therapie, (Link zu „Tinnitus Therapie Zentrum“) einerseits erlernt werden, mit den Ohrgeräuschen umzugehen – andererseits eventuelle Quellen der Geräusche „trocken zu legen“.