Wir kennen es alle dem Namen nach – oder eben aus eigener, leidvoller Erfahrung.

Wie entsteht es?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, müssen wir ein wenig in der menschlichen Entwicklungsgeschichte kramen. Früher war das Leben für den Menschen ein täglicher Kampf um‘s Überleben. Da war die Jagd, die absolute Wachheit erforderte, um Erfolg zu haben. Da waren aber auch vielfältige Gefahren, die das Leben des Menschen bedrohten. Um damit zurecht zu kommen, produzierte - und produziert der Körper bis heute Adrenalin, ein Hormon, welches uns wach macht und hält, so daß wir den vielfältigen Bedrohungen standhalten können.

Wurde der Mensch krank, produzierte der Körper ein anderes Hormon, welches ihn zwang, sich eine Pause gönnen, das Cortisol. Dieses Hormon macht den Menschen müde und je nach Menge, die in seinen Kreislauf abgegeben wird, schaltet es ihn regelrecht ab.

Heute ist diese absolute Wachheit, die durch Adrenalin bewirkt wird, nur noch in sehr wenigen Ausnahmesituationen nötig. Doch kennen wir alle auch den Begriff „Adrenalinjunkie“. Damit ist ein Mensch gemeint, der sich gerne Gefahren oder Situationen aussetzt, in denen Höchstleistungen gefordert sind. Wie der Begriff „Junkie“ suggeriert, ist dieses Adrenalin also ein Stoff, der missbraucht werden kann.

Nun muss man gar nicht gewollt in eine Adrenalinsucht fallen, sondern das kann ganz schleichend geschehen: man hat beruflichen oder sportlichen Erfolg, wird dafür gelobt oder bewundert. Das macht Spaß, man freut sich über den Erfolg und natürlich auch über das Lob, welches man dafür bekommt – und macht mehr davon…

So rutscht man nach und nach in diese Sucht hinein. Zunächst ist das ja auch alles harmlos und überschaubar. Aber bald schon zeigen sich die ersten Symptome des Körpers, der sich gegen den Dauerstress (korrekt: Disstress) wehrt: Schlafstörungen, gelegentliche Unkonzentriertheit, Kopfschmerzen.

Das steigert sich dann mit der Zeit so weit, bis der Körper anfängt, Cortisol auszuschütten um ihn zu bremsen, flach zu legen. Der Mensch wird krank, seine Leistungskurve fällt steil ab, bis zur völligen Unfähigkeit noch irgendeine Leistung zu bringen. Es zeigen sich die bekannten Symptome: völlige Erschöpfung, bis hin zur Apathie; Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Gelenkschmerzen (Cortisol ist in hoher Dosierung ein Gift, welches Gelenke und Nerven reizt und beschädigt); die Gedächtnisleistung lässt nach, weil Cortisol die Synapsen (Übergabepunkte von Hormonen im Nervensystem) verstopft. Massive Ein- und Durchschlafstörungen.

Das alles beschreibt den Zustand des voll ausgebildeten Burnout Syndroms.

Dazu kommt dann noch die Tatsache, daß der „gestresste“ Mensch meist Arbeit mit nach Hause bringt, sich auch in Urlaub und Freizeit mit der Arbeit beschäftigt, seinen Schlaf- Wach- Rhythmus verschiebt. Dadurch wird ebenfalls die Fähigkeit, gut zu schlafen und sich im Schlaf zu erholen, weiter gestört.

Um diesem Teufelskreis zu entrinnen, bedarf es strenger Disziplin: genaue Einhaltung der Ruhephasen – egal wie „dringend“ die Aufgabe ist, die gerade noch erledigt werden soll: Beachtung der Schlafhygiene. Pausen, in denen auch wirklich Pause gemacht wird, also kompletter Themenwechsel. Sport – aber Vorsicht, gerade beim Sport kommt es eben auch leicht zu der gleichen Überforderung, die es schon im Arbeitsleben gibt. Es ist wichtig, die körperliche Aktivität genau nach einem ärztlich verordneten Plan anzugehen, der die körperliche Leistungsfähigkeit berücksichtigt. Von diesem Trainingsplan darf unter keinen Umständen abgewichen werden – weniger schon, aber niemals mehr.

Erlernen von Entspannungsmethoden kann sehr hilfreich sein. Da das Angebot in diesem Bereich sehr vielfältig ist, darf man ein wenig herum probieren und sich dann für eine(!) Methode entscheiden. Auch das ist wichtig, um nicht wieder in die gleiche Überforderungsfalle zu tappen, die zum Burnout Syndrom geführt hat.

Selbstverständlich hilft auch Psychotherapie, die Ursachen seiner Stress- Sucht aufzudecken und an daran zu arbeiten, sie zu überwinden.

Ein privates Blog, ein Tagebuch, ein täglicher „Tätigkeitsbericht“ kann helfen, die Ursachen des Burnouts nach und nach trocken zu legen und zu verhindern, wieder auf das alte Gleis zu geraten.